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Kein Plattenreview

Juli 16, 2013

Ich hab mich endlich durchgerungen, die While a Nation Sleeps zu hören, weil die After the Eulogy einen meiner dünnen Bezugspunkte zu Hardcore/Post Hardcore-Zeugs darstellt und ich von dem Genre eigentlich immer noch überhaupt keine Ahnung habe. Jeder Tag meines Zivildiensts fing mit „The Force Majeure“ an, warum, kann man nachhören bzw. -lesen. Ich unterstelle, dass jeder, der nach jeder 37,5-Woche Ommas rumschieben mit beschissenen Kollegen erstmal zwei Wochen lang sich auf ner AU – Wunderwaffe: Magen-Darm-Grippe, Secondary: Migräne – ausruhen musste, das nachvollziehen können wird. Ich bin mehrmals über die Behauptung gestolpert, die AtE sei mit Refused’s The Shape of Punk to Come vergleichbar. Mir ist unbegreiflich, wie man auf diese Idee kommen kann. Vom neue-Pfade-betreten wird’s sicher nicht kommen. Das einzige ähnlich innovationsfreudige Kunstprodukt das ich jemals seitdem wahrgenommen hab, war Journey auf der PS3. Ich behaupte auch mal, dass im Dunstkreis dieser Mucke das eigentlich ähnlich leichtes Spiel ist wie in der Spieleindustrie, und es manch einer Combo sogar versehentlich passieren würde, wenn sie auch „rather be forgotten than remembered for giving in“ denken würden.

While a Nation Sleeps (im Nachfolgenden: WaNS) klingt kacke, und das schreib ich grade eigentlich auch nur, weil ich mich den Rest dieses Posts über die gesamte Band aufregen werde. Die penetranten Der große Diktator-Samples vor jedem Lied gehen einem auf den Sack. Das liegt vermutlich auch daran, dass boysetsfire unter sich gern soziopolitisch wahrnehmenden US-Kapellen in guter Gesellschaft ist wenn es darum geht, direkt den Adolf aus dem Sack zu kramen. Manch einer nennt das unglaublich conscious, ich nenn es nichtsahnend mal eben den Nationalsozialismus zu relativieren. Ich glaube kaum, dass die Überlebenden der Meinung sind, die heutige Gesamtscheiße fühle sich an allen Ecken und Enden schon ziemlich genau wie der Zivilisationsbruch an.

Ich gebe sogar zu, dass ich früher schon „Rookie“ für ein Scheißlied gehalten habe, das unglaublich viele Leute in den Himmel gelobt haben. Vermutlich bin ich einfach an der falschen Adresse für sich ausgenutzt fühl-Lyrik. Ich hör aber auch generell nicht Musik, um mich scheiße zu fühlen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Sicher werd ich mal, und auch nicht ungern, sentimental, aber ich brauch nicht das, was sich im anglophonen Sprachraum angst nennt. Ich weiß nicht mal ob es Musik gibt, die mich in so einen Zustand versetzen könnte. Wenn ich nich obenauf bin, hör ich durchaus nicht Politisches oder Nonsensiger, sicher, aber was ich höre hat immer was Kathartisches. In solchen Situationen mach ich mir ne Kippe an und hör The Saddest Landscape. Da schreit sich ein Andy Maddox für mich den Kehlkopf raus, damit ich mich zurücklehnen kann. Und danach geht’s mir immer besser. Das kann ich nur wärmstens empfehlen. Oder ich betrinke mich.

Das Album hat aber auch keinen einzigen Knaller, wie, sagen wir „After the Eulogy“ auf der gleichnamigen Platte, oder der ebendort vertretene oben zitierte Arbeitsverweigerungsbrecher. Viel was nach so Melodyzeugs mit ner etwas verkniffeneren Stimme klingt. Ich bin grad bei „Save Yourself“ (Track 6 von 13), und nichts bleibt hängen, wo ich mir denk „boah, das könnteste mal öfter hören“.

Des weiteren halte ich diese Leute auch für eher seichte Gemüter. Ich bin durchaus der Meinung dass es was anderes ist, wenn eine US-Band sich über den Kurs des derzeitigen Kabinetts auskotzt, und hab mich auch nicht mit aufgeregt, dass boysetsfire bezweifelt haben, dass der Dritte Golfkrieg aus humanitären Gründen für die afghanische Zivilbevölkerung geführt werde. Auf die Idee zu kommen, erfordert auch schon ne sehr komische Logik. Dafür mehr über das wozu sie sich im Schlepptau entblödeten – ihre Haltung gegenüber Israel, ihre Behauptung, die Ba’ath-Partei sei doch total in Ordnung und Saddam habe ein Recht dafür, ein freies Land weiterzuführen; na, komisch aber auch, dass diese Aussagen mal wieder so auffällig korrellieren! Ach ja, und Protest gegen einen Angriffskrieg sei vor allem deshalb gut, weil es das „patriotischste“ sei, was einem möglich sei. Wer Fans hat, die auf so ein Wort positiv reagieren, braucht entweder keine Feinde mehr, oder meint das ernst – ich weiß nicht was ich gruseliger finde. Da wundert es niemanden, dass Nathan Gray als erwachsener Mensch seit neuestem irgendeinenen pseudoironischen Satansscheiß fährt, um seinen Atheismus durch präpubertäres Provozieren deutlich zu machen. Tut mir Leid, wascht euch mal den Kopf.

Ich hör weiter die paar Lieder die ich mag, und die WaNS hat keins davon. Die Truppe hat jedenfalls bei mir schwer verschissen.

Son Scheiß kann sich doch kein Mensch ernsthaft antun.

Leute die mehr Ahnung von der Mucke haben als ich, werden den Mainstreamhauch der Platte verteufeln. Das ist mir zwar scheißegal, aber irgendwo aus purer Gehässigkeit dann doch wieder recht. Und vor 12 Jahren hatten die zumindest hörtechnisch echt geile Sachen gemacht.

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