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Bad Religion: True North

Januar 21, 2013

Einstudierte Verhaltensmuster können nützlich sein. Zum Beispiel jetzt, indem mir Solidarität 4 stunden Schlaf schenkt, ohne dafür einen Schein zu riskieren. Mad props @Sie-hat-kein-lustiges-Pseudonym.

Eigentlich bin ich immer der, der den Job für andere macht, da ich (das von manch einem als unfassbar bekloppt ausgelegte Durchmachmodell) montags immer um viertel nach acht mit nem Kaffee im Hörsaal sitz, aber grade bietet es sich hart an. Eine glückliche Verkettung an Umständen zu einem ansonsten unglücklich gewesenen Zeitpunkt:
– Bad Religion haben die True North rausgehauen, und das Warten quält.
– Durchmachen ist absolut keine Option, da es für meinen Nachmittag absolut scheiße wäre, wenn ich verpennt wäre; im üblichen Durchmachmodell ist meistens montags dann so gegen 17 uhr Schicht im Schacht. Und das ist heute keine Option. Das wäre für die Tagesqualität zweier Leute scheiße und auf der Verantwortung eines davon gewachsen.

All dies ist nun möglich. Im leicht euphorischen Zustand lässt sich sicher auch eine neue Platte einer großartigen Band augenzwinkernd seinem Es als gutes Zeichen verkaufen – das klappte auch mit Norell et al. (2006) und Agnolín et al. (2012; pre-print 2011). Und Bad Religion hat den zweifelhaften Ruhm, ihr letztes Album hier schon auf diesem Blog als ausgesprochen unbemerkenswert semi-verrissen zu bekommen. Denn nichts ist schlimmer, als wenn Bad Religion in die Bedeutungslosigkeit ihrer Genrekollegen fällt.

So without further ado I’d like to present to you … The Generator.


(c) Epitaph Records, 2013.
Hier kaufen.

Was diese Band ausmacht, werden die meisten mal gehört haben, ansonsten gibt’s Wiki. Die Behauptung, Bad Religion würde immer wieder den gleichen Song machen, stimmt zwar, allerdings nicht so wörtlich wie bei manch anderer Band, die ebenfalls mit dem gleichen „Vorwurf“ überhäuft wird; die meisten Fans erinnern sich etwa mit großem Missmut an die letzten Jahre der 90er bis zur Jahrtausendwende, als in Brett Gurewitz‘ Abwesenheit die No Substance (1998) und The New America (2000) rauskamen – ersterer Name ist bei beiden auch meines Erachtens Programm, und das hat schon seinen Grund. Für mittlerweile 32 Jahre Bandschaffen kann man sich langsam natürlich in sanfter Melancholie von der Backe schmieren, noch mal eine zweite No control oder Against the grain vorgesetzt zu bekommen, aber sei’s drum.

Die ersten Akkorde des Openers „True North“ klingen original wie die von „Leave Mine to Me“ von der Recipe for Hate (1993). Erstaunlich saugutes Lied. Was mit viel Schmackes eine Gitarrenwand aus dem zusammengeschmissenen Geknüppel von Brett Gurewitz, Greg Hetson und Brian Baker (ex-Minor Threat) resultieren kann, hat das vorletzte Album doch eigentlich gezeigt. Es wirkt fast als wäre das entweder Augenzwinkern oder Selbsterkenntnis, denn der zweite Track, „Past is Dead“, schraubt genau da ein Stückchen höher, und packt das wieder in Formulierungen, die das Herz höherschlagen lassen, nicht unähnlich „Robin Hood in Reverse“, nur mit schlechterem Text.

Mit „Land of Endless Greed“ wird endlich die Zwei-Minuten-Grenze unterschritten, und in den ersten Momenten fühlt man sich fast an alte einminütige Ausbrüche genialer Analyse erinnert. „Fuck You“ klingt anfangs irgendwie plastikhaft, außerdem mag ich es nicht, wenn ein derart verkopfter Act die Fachtermini seiner Lieder dermaßen mit expletives zukotzt; je weiter es jedoch läuft, desto mehr weiß es doch zu gefallen.

Beim Titel „Dharma and the Bomb“ werden wohl die meisten Leute schmunzeln, die sich die 6 Staffeln durchgekämpft haben; es ist wieder einer dieser Tracks, wo nach 2 Sekunden klar ist, dass er von Gurewitz geschrieben wurde. Bei manchen klappt das hervorragend, aber die meisten die ich nicht mag gingen auch auf sein Konto; ich bin traurig, diesen hier eher in letztere Ecke einordnen zu müssen. „Hello Cruel World“ gibt mir gar nichts und heißt auch schon wie Lieder heißen, die mir gar nichts geben. Außer die Sicherheit, dass es mit einem Augenzwinkern serviert wird, denn wer einstmals Zeilen mit den worten „your life is historically meaningful, and spans a significant time […] if life makes you life and bitter, at least it’s not for very long“ in der Reihenfolge als grundehrliche, ernstgemeinte Aufmunterung intonierte, ist ein geiler Mensch.

„Vanity“. Danke, „Vanity“. Das ist mal was für mich. „In Their Heart is Right“ ist nen dicker Schritt zurück, „Crisis Time“ dafür unwahrscheinlich geil. „Dept. of False Hope“ hält beinahe diese große Klasse. „Nothing to Dismay“? Geilomat. Die Scheibe hört sich grade an, als hätten wir 1990, und ich weiß dass dieser reaktionäre Rückgriff unfassbar bescheuert klingt. „Popular Consensus“ reitet diese Welle weiter, wunderschön was auf die Ohren. „My Head Is Full of Ghosts“? Bam. Junghe. Herbe gut. „The Island“ sackt wieder etwas ab, aber „Changing Tide“ ist ein schöner Closer.

Was soll ich sagen? Es ist ein Album, in dem große Brecher sehr stark zwischen ein paar eher mauen Dingen durchscheinen. Eigentlich darf man den mauen Momenten einer Bad Religion-Scheibe nur den Maßstab ansetzen, den man vergleichbarer Genremucke auch anlegen würde, und das macht maue Momente auf einmal immer noch zu zumindest relativ guten. Die Titel der einzelnen Tracks klingen viel bescheuerter als früher. 8 von 10 punkten sind da durchaus angemessen.

Trackliste für euch:
1) True North
2) Past Is Dead
3) Robin Hood in Reverse
4) Land of Endless Greed
5) Fuck You
6) Dharma and the Bomb
7) Hello Cruel World
8) Vanity
9) In Their Heart Is Right
10) Crisis Time
11) Dept. of False Hope
12) Nothing to Dismay
13) Popular Consensus
14) My Head Is Full of Ghosts
15) The Island
16) Changing Tide

Da ich oben Literatur aus Gründen, die vermutlich nur mir klar sind, zitiert habe, und ich nicht irgendwelchen verfickten RGK-Richtlinien verpflichtet bin, bin ich verpflichtet, sie korrekt zu zitieren.

Agnolín, F. L.; Powell, J. E.; Novas, F. E.; Kundrát, M. (2012). New alvarezsaurid (Dinosauria, Theropoda) from uppermost Cretaceous of north-western Patagonia with associated eggs. Cretaceous Research 35: 33-56.
Norell, M. A.; Clark, J. M.; Turner, A. H.; Makovicky, P. J.; Barsbold, R.; Rowe, T. (2006). A new dromaeosaurid theropod from Ukhaa Tolgod (Ömnögov, Mongolia). American Museum Novitates 3545: 1-51.

Is jetz mal gut hier.

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