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Retro-Kampmann testet: Alien 3

Dezember 12, 2012

Unter den weniger großartigen-im-Sinne-eines-Zelda-oder-Mario-aber-doch-ganz-guten-SNES-Spielen ist mir Alien 3 eigentlich immer in angenehmer Erinnerung geblieben. Damals war es das einzige, was nun mal den legendären „Xenomorph“ des H. R. Giger auf Konsole verfrachtet hatte, und das war ziemlich cool wenn man viel zu jung durch Alien nervlich völlig fertig war, und bis heute das zeitlose Kunstwerk von ’79 und den perfektesten 80er-Jahre-Actionfilm-und-mehr von ’86 absolut feiert.

Dummerweise is jedenfalls mein Alien 3-Modul verschwunden. Das fiel mir spätestens vor der 4-Tage-APZ beim magischen Ruppek auf, die in einem kollektiven 20-Stunden-Besäufnis mit Goa-Party gipfelte. Zu meinem Super Nintendo konnte ich nur noch A Link to the Past, Secret of Mana, Yoshi’s Island, Street Fighter 2, Jurassic Park 1 und Super Soccer zusammenkramen. Sicher, alles fantastische Spiele bis besoffen gegeneinander tolle Spiele, oder der Inhalt einer Magisterarbeit (meine kindliche Beschäftigung mit dem unspeicherbaren Jurassic Park, das ich seitdem im Schlaf runterbeten kann); aber wo der Rest hin ist?

Egal. die letzte Amazon-Bestellung führte dann dazu, dass mir eine sehr nette Frau für einen 5er ne gebrauchte Alien 3-Cartridge mit dem wachsenden Queen-Embryo drauf versendet hatte. Dieses Dingen kam heute nachmittag an, und was soll ich sagen, es macht Spaß.

Das Spiel kam damals wohl zeitgleich mit dem gleichnamigen kontroversen Fincher-Film raus (interessant die frühesten Drehbuchentwürfe, insbesondere das Script von Vincent Ward mit dem Holzplaneten), daher zockt man Ripley mit Glatze. Das Spiel ist wohl am ehesten nen Sidescrolling-Shooter im Stile eines abgespeckten Super Metroid oder Castlevania, in dem man sich aus Seitenperspektive durch Alienhorden ballert und Missionsziele löst. Dabei ist das Dingen durchaus umfangreich: In der Linearitätsskala von 16-Bit-Sidescrolling-Shootern ist es meilenweit von hyperaktiven Peporgien wie Contra 3 „Super Probotector“ entfernt und bietet eine erstaunliche Menge an Planungs- und Backtrackmöglichkeiten, und lässt einem mehr oder weniger sinnvolle Wege zu seinen Missionszielen offen. Diese gilt es an Terminals einzuholen, aus einem zentralen „Raum“. Dieser ist durchaus vertikal zu verstehen, mit Leitern, sehr vielen Facehuggern, Tunneln und derartigem Gedöns, über die verschiedene Türen erreichbar sind. Diese wiederum führen in große Areale, die teilweise wiederum miteinander verbunden sind. Von den Terminals aus lassen sich auch – sehr detaillierte – Karten aller Räume und Wege abrufen, die eine Menge Zeit durch die immer wieder von Aliens versumpften, im jeweiligen Moment „unwichtigen“ Gegenden ersparen. Unpraktisch: Karte ankucken geht wirklich nur an den Terminals. Und wir befinden uns in einem 16Bit-Spiel mit einer industriell aussehenden Spielwelt, verbunden durch ein anfangs überall gleich aussehendes Hub. Die Konsequenz: Auch woanders sieht fast alles gleich aus.

Die Missionen beziehen sich aufs Retten von Gefangenen, Abriegeln der Türen von alienverseuchten Korridoren, Verschweißen von defekten Rohrleitungen, Stromanschalten an Generatoren, und ähnlichen Gemeinplätzen aller Spiele die in abgefuckten Gegenden spielen. Blöderweise wiederholt sich viel davon in späteren Chapters. In welcher Reihenfolge die Missionen abgearbeitet werden, ist einem dabei relativ freigestellt; so macht’s durchaus Sinn, die eigentlich grade kommende fürs Ende des Chapters aufzusparen, da man sich mit ihr endgültig den Zugang zu einem Raum voller Medipacks und Munition verbauen würde.

Obwohl das Gameplay beileibe kein Abwechslungsfeuerwerk abbrennt, holt die semi-erkundbare Spielwelt wieder einiges raus. Anders als es lediglich mit dem „runner alien“ zu tun zu haben, der sich je nach Schnittfassung im Film aus nem Rottweiler oder ner Rinderhälfte pellt (ich find den Cut mit dem Rottweiler über den ganzen Film hinweg dramaturgisch besser), haben wir hier schließlich einen Sidescrolling-Shooter vor uns, und Fury 161 beherbergt eine höhere Alienpopulation als jeder andere Ort überhaupt. Will heißen: Bräunliche Ausgewachsene, die dem Runner des eponymen Films entsprechen, große ausgewachsene Vertreter der Kriegerkaste, die man im seligen Aliens zuhauf kennenlernte, einen anrotzende (!) Chestburster, später auch eindrucksvolle Geräte von beinahe Königinnen-Kaliber, und jede – Menge – verfickte – Gerudo-Kriegerinnen Facehugger. Letztere sind besonders nervig. Dabei zahlt’s sich aus, die „Tiefen“, die die Spielmechanik zulässt, auszuloten. Wer nicht regelmäßig in die jeweiligen Krankenstationen zum Medipackfressen geht, oder meint durchrennen zu können, wird vermutlich nicht alt. Wer das Ganze vernünftig angeht, auch mal die Architektur des Chapters berücksichtigt und einplant, hat die Probleme meistens nicht. Ich hatte Alien 3 passagenweise echt als bockschwer in (zugegebenermaßen Kindheits-)Erinnerung, aber wo ich es grade zocke kommt es mir wenn auch nicht superleicht, so zumindest nie überfordernd vor. Ein paar böse Clippinggeschichten können einem allerdings mies ins Handwerk pfuschen, etwa wenn einem aus dem nichts ein hundsbeschissener Facehugger auf den Kopf fällt und durch den Knockback gradewegs in die Bleischmelze schmeißt, über die man ungefähr 0,6 Sekunden vorher gesprungen ist. So was frustriert dann doch mal. Oft spackt auch die Treffererkennung bei den Facehuggern rum, umso ärgerlicher als diese Popelviecher nach einem kurzen Feuerstoß aus dem Sturmgewehr weg vom Fenster sind. Und generell die immense Menge an Facehuggern.

Obwohl die Aliens – mehr oder weniger notdürftig hinter den Rändern des Bildausschnittes kaschiert – endlos spawnen, lässt sich zumindest die Facehugger-Flut an einigen Stellen ein wenig eindämmen, indem man die Ansammlungen der altbekannten Eier einäschert. Apropos: Auf A, Y, und X sind Sturmgewehr, Flammen- respektive Granatwerfer verteilt. Während letzterer hervorragend dazu geeignet ist, ausgewachsene Alien-Krieger mit einem Schuss, einem „pfump!“-ähnlichen und kurz darauf einem befriedigend knackenden Geräusch in die Luft zu jagen (zumindest am Anfang…), ist der Flammenwerfer beim Ausheben von Nestern Gold wert. Das steuert sich dabei ganz angenehm, außer den Waffentasten braucht’s nur B zum Springen und das obligate Steuerkreuz zum Laufen/Türen öffnen/Leitern klettern/Ducken (letzteres ist durch die immense Masse an Facehuggern fast schon die beste Körperhaltung). Sind Schweißarbeiten vonnöten, übernimmt Y kontextsensitiv die Aufgabe eines Schweißbrenners (muss man herausfinden, kein Mensch sagt einem das). Auf Select liegt als Schmankerl für Freunde des Franchises der altbekannte Motion Tracker. Klar, dass allein durch dessen nervöses Piepen sich niemand bei einem 16-Bit-Scroller heute in die Buchse kackt, aber es ist auf jeden Fall ein nettes Anhängsel. Start dient standardtechnisch zum Pausieren, bei mir etwas umständlich da die Taste extrem durchgejuckelt ist. Mit den Schultertasten lässt sich durch die Munitionsvorratsanzeigen schalten, was aber wirklich niemand braucht, da eh automatisch jeweils die der grade abgefeuerten Waffe eingeblendet ist; hinzu kommt, dass mit Munition auch nicht allzu wirtschaftlich umgegangen werden muss, zumal analog zu den Krankenstationen jedes Chapter auch Räume mit nach jeder Mission wieder aufgefrischten Munitionsvorräten anbietet. Diese sind allerdings bei den Missionstouren echt zu nutzen, ansonsten trifft letztgenannte Aussage nicht zu.

Für ein Super Nintendo-Spiel sieht Alien 3 eigentlich ganz gut aus. Sicher, nicht so gut wie ein Secret of Mana oder ein Chrono Trigger, aber zumindest in der „gehobenen Mittelklasse“, wie es im einschlägigen Spielejournalismuslingo hieße. Das zeigt sich vor allem an den, wie ich finde, ziemlich schönen Hintergründen. Die Hintergrundmusik ist endzeitlich-düster, und erinnert wohl bewusst ein wenig an James Horners Score zu Aliens, soweit das mit Midi-Sounds machbar ist. Das Gefauche und die Rotzgeräusche der Aliens tragen auch ein wenig zur Stimmung bei, und die Ballergeräusche sind auch im weitesten Sinne den Filmen entnommen; lediglich das Mündungsfeuer des legendären Aliens-M41A-Sturmgewehrs klingt nicht wie es zu klingen hat. Theoretisch hätte man das vielleicht besser auf LV-Schießmichtot ansiedeln sollen, wie halt Aliens, da Ripley die Ausrüstung der Colonial Marines aus besagtem Film mit sich durchs Spiel schleppt, aber na ja, das Spiel kam halt raus als Alien 3 rauskam. Kein atmosphärischer Beinbruch.

Die Speicher-/Draufgehfunktion ist leider echt nich gut umgesetzt: Wer krepiert, oder gar die Dreistigkeit besitzt, die Konsole auszumachen, muss das ganze aktuelle Chapter mit allen Missionen von vorne anfangen – eine Tatsache die es für die Tagesplanung im Kopf zu behalten gilt. Für jedes gepackte Chapter gibt’s nen Passwort. Unter „Continue“ kann man also mitnichten den letzten Speicherstand einfach weiterzocken – wie auch, manuelles Speichern ist gar nicht möglich – sondern muss das spieltechnisch weiteste Passwort parat haben, um in dem Chapter zu landen, in dem man das letzte mal aufgehört oder das Zeitliche gesegnet hat; ein selten dämliches Scheißfeature, das Spieler noch bis in die frühere Playstation 1-Ära verfolgen sollte.

Insgesamt ein ganz nettes Spiel. Keinesfalls nen Meisterwerk, kann man aber mal so ganz gut spielen. Würd dem was so im hohen 60er- bis mittleren 70er-Prozentbereich geben, wenn ich eine Prozentwertung geben müsste; mit einer halbwegs menschenwürdigen Speicher-/Spielstandfunktion wäre schon die Hälfte der Probleme aus dem Weg, da das monoton werdende Gameplay und Leveldesign einem dann wesentlich weniger ins Auge fallen würde; auch könnte ruhig einfach einiges an Inhalt gestrichen werden, das Spiel wäre dadurch immer noch nicht auffallend kurz. Die Punchline ist, nen Fünfer isses wert, wenn man es nicht mehr hat, und allemal auch, wenn man es nie besessen hat aber grade vor sich auf nem Grabbeltisch sieht und glaubt, sich mit dem Prinzip „Metroidvania mit Aliens“ anfreunden zu können.

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One Comment leave one →
  1. Dezember 13, 2012 12:30 pm

    Passwortspeichersysteme sind wirklich bescheuert 😀 Zum Glück gibt es den Mist nicht mehr.

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