Skip to content

kampmann kuckt filme, III

Juli 24, 2011

die nummer ist willkürlich für weitere filmkritiken und -empfehlungen gewählt. bitte: bezahlt es nicht. das ist der piszer nich wert, der ihn gedreht hat. aber der film is auf eine ganz komische art für mich gröszte klasze.

bier. nich mehr viel. bald is holland angesagt, auch für meinen eher experimentellen ruf in der paleoszene.

ich kuck grade, nach einer durchgesoffenen, verregneten nacht an einem immer noch restbesoffenen, noch verregneten morgen APOCALYPTO. der film ist eine grosze haszliebe für mich. es gibt kaum einen film, dem ich ambivalenter gegenüberstehe. einerseits halte ich mel gibson für einen absoluten kotzbrocken. ein „wiedergeborener“ christ george w. bush jr.-style, der einen bekannten jesus-torture porn-film von evangelikalen fundamentalisten für evangelikale fundamentalisten machte, der eigentlich nur die körperliche verwüstung dieses menschen darstellte, deszen latein selbst von defizitären schulverweigerern wie unsereinem in der auszprache als grottig befunden wird, juden von premieren kategorisch auszschlosz, und deszen ww2-bildung so grosz ist, dasz er der meinung ist, dasz im zweiten weltkrieg „etwa 10 mio. menschen“ gestorben sind, von denen „ein paar juden gewesen sind“, da braucht mensch nicht viel zu sagen. absolutes arschloch, fällt mir schwer, da förmlicher zu sein.

der mittelteil is ein pandemonium präkolumbianischer grausamkeit, wiszenschaftlich weitgehend widerlegt und für kappes befunden, aber da müszt ihr – im idealfall kostenlos – durch. es is einfach nur noch sinnentleert herbe brutal und eklig, auf eine ziemlich sadistische schiene. ich wage mal mel gibson zu unsterstellen, dasz es sich hier um projektion handelt (höhöhö). steth’s bitte trotzdem durch, ihr hostel-gewöhnten splatterhoschis. um etwas wahnsinnig gutes zu sehen.

was den liebe-teil der haszliebe ausmacht, ist eben apocalypto, von quentin tarantino in den himmel gelobt, ein auszergewöhnlicher film. im 15. jahrhundert innerhalb mesoamerikas angesiedelt, soll er die unmenschlichkeit der maya illustrieren, und ist komplett in mayathan mit englischen subs gedreht. der film strotzt vor widerlichen klischees. am ende kommen, jedem geschichtlichen wiszen trotzend, europäische conquistadores nach amerika, und wie ihr landgang dargestellt wird, hat es den ekelhaften beigeschmack einer erlösung vor dem heidentum, obwohl diese menschen bestenfalls genau so schlimm waren wie die menschen, die sie in einem millionenfachen genozid umbrachten. wer sich über den aberglauben einer nichtchristlichen theokratie so dreist auslacht, sollte sich lieber zu seinem agnostizismus endlich bekennen oder sich verpiszen. gibson glaubt, damit seine vorstellung von der interkonnektivität „groszer zivilisationen im untergang“ berichten zu können. die „bösen“, genau so maya wie die „guten“, sind in mimik, gestik, aussehen und verhalten nur darauf gedrillt, den tiefsten rassistischsten ekel zu erwecken. sie sind so durch und durch wichser wie die vietnamesen in den mia-chuck norris-flicks. selbst der bezugspunkt zum protagonisten jaguar’s paw ist der des kolonialen stereotyps des „edlen wilden“, wo mensch eigentlich zum kotzen in den keller gehen will. europäische pockenviren machen ein kleines mädchen im präkolumbischen amerika platt obwohl präkolumbisch, und sie prophezeit den untergang jeglicher zivilisation bevor der weisze mann kommt, in einem beinahe mandos’schen schicksalsspruch. zeitlich paszt gar nix. selbst ich als geschichts-zusatzkursler und internetgebildeter kann da nur minutenlang facepalmen. nennen wir ihn einen wichser, verweisen wir jegliche leser*innen auf’s so genannte internet, und gut.

was den film für mich unglaublich beeindruckend macht, ist die zweite hälfte. es is einer der gröszten fälle unbestreitbarer, jeden packender, totalitärer filmkunst. du kannst dich nich wehren. du kannst dich verfickt noch mal nich wehren. ich habe selten etwas so überzeugendes, so unglaublich packendes, so zutiefst beeindruckendes gesehen. dieser rechtevangelikale reaktionär kann eine wahnsinnsstory in seinem hirndurchfall einflechten. so sehr der mann ein arsch ist, schafft er es, selbst im mündigsten, kritischsten kampmann (was mit diesem geständnis nicht mehr viel heiszen musz, und der sich mit dieser meinung vielleicht medientechnisch selbst hinrichtet) eine unglaubliche sympathielenkung hinzubekommen, und einen wahnsinnig spannenden, gorigen und nur noch als groszartig zu bezeichnenden finalen teil hinzulegen. drückt jaguar’s paw die daumen gegen zero wolf, middle eye und konsorten. ich musz es nicht sagen, ich schwör euch in die hand dasz ihr es einfach tun werdet. kuckt es. der film stinkt zwischendurch nach rassistischsten klischees aus der sockenschublade des mittelalterlichen kolonialismus, schmeiszt maya, inkas, az- und tolteken in einen pott, aber wo er es nicht tut, ist er UNFASSBAR packend. der blanke wahnsinn. allein die letzten 45 minuten sind mehr wert als die letzten paar kinojahre zusammen (apropos baujahr, der schinken is von 2006). sicher ist es dem kulturimperialismus mel gibsons geschuldet, dasz er diese sympathielenkung und dieses unglaubliche mitfiebern für jaguar’s paw konstruiert, aber so sehr ich den penis nich abkann, ist es unfaszbar gut gemacht. ich kann mich nicht wehren, dem typen (jaguar’s paw) die daumen zu drücken, wegen der grauseligsten unmenschlichkeit seiner verfolger. brutalitätstechnisch geht’s da immer noch übel zur sache. wer sehen will, wie ein jaguar einem menschen mit bisz ins gesicht (!) den hirnschädel aufknackt, hat hier nen abartig realistisches beispiel. weitere spoiler verkneif ich mir. die tode der antagonisten sind zwar tode der antagonisten, aber fast jeder ist so übelst erniedrigend, dasz es beim hinkucken doch wieder weh tut. es wird nur in formen gestorben, die einem übel auf den magen schlagen. körperkino in reinkultur für den einen (parallelen zur passion of christ), kotzkübel für den anderen (es is imho definitiv nich schön). kerle in fast grundsätzlich leinentangas machen das optisch nich toller für den heterosexuellen mann. nichtsdestotrotz geht es nicht anders, du wirst zur identifikation mit jaguar’s paw gezwungen. wenn apocalypto mich, fwiw, um den finger wickeln kann, kann er sicher auch den einen oder anderen von euch um den finger wickeln in seiner dramaturgie. es wird auf jeder seite absolut abartig verreckt so dasz gibsons machwerk zumindest nicht für heldentod-arien verwertbar sein sollte (wobei, wer das will, schafft es eh immer). es ist nicht dieser sturzdoofe, sofort durchsichtige sony-faschismus eines 300, es ist um längen optisch bombastischer, und diegetisch beeindruckender. selbst die abgefeimtesten gorehounds und special-fx-masturbierer werden auf ihre kosten kommen. die rolle jaguar paw’s könnte nicht beszer besetzt worden sein als mit rudy youngblood. der schauspieler macht mehr als das beste draus. gebt es euch. kein scheisz.

schmeiszt eure saw 38,4-dvdrips in die ecke und kuckt es. und danach lest euch in die literatur zum thema ein, oder habt zumindest den anstand, es nicht für einen historienfilm zu halten. glaubt gar nicht erst, dasz es irgendwas mit der realität zu tun hat, nehmt es als gute fantasy auf, und dann ist es der blanke wahnsinn. es ist ne haszliebe wie ich mit 8 ne haszliebe auf tomb raider 2 (recher!) hatte, wie 5jährihr ihre super nintendos wegen nem abgefuckten super mario bros. level mit anlauf gegen die wand getreten und danach trotzdem weitergezockt haben. formell für mich einer der gröszten filme aller zeiten. keine übertreibung. leiht ihn euch aus oder so, bezahlt blosz bitte kein geld dafür – ein halb wahnsinniger typ, deszen stolz auf dem völkermord dieser damals unglaublich fortschrittlichen, wenn auch grausamen kulturen, fuszt, verdient das nicht 😉

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. Juli 24, 2011 12:44 pm

    ich mein, ich hätt ihn sogar schonmal gesehn, werd aber dann wohl nochmal tun, wenn du sagst, dass er so gut ist.
    aber tu mir und vlt deinen restlichen lesern den gefallen und gewöhn dir wieder nen SS an anstelle deines polendialekt-sz 😉

  2. Manni H. permalink
    Juli 24, 2011 8:16 pm

    Ich plädiere ebenfalls für die, äh, das ss. Und für Groß-/Kleinschreibung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: