Skip to content

ein samurai trinkt nie mehr als er vertragen kann

April 15, 2011

danke für das zitat @38:03. ich kucke grade einen film, den ich lange schon kucken wollte – hab ihn lediglich mal mit 17 mit einem hier namentlich nicht genannten dreadbelockten mittlerweile-paläontologen völlig stoned und leicht angetrunken gekuckt und bin aufgrund der immensen laufzeit mehrmals eingepennt. das letzte drittel lag ich im wohligen schlummer des btm, und vieles vom rest hab ich nicht mehr in erinnerung. die rede ist von akira kurosawa’s (r.i.p.) die sieben samurai.

auch wenn der film „lediglich“ ein imdb-rating von 8,8 hat (ich hab gehört dass es leute geben soll, die ernsthaft nach solchen kriterien filme kucken *hüstel*), ist sein ruf weit über dem rating. er gilt bei westlichen filmexperten oft als bester japanischer film, wenn nicht gar – aufgrund seiner archetypischen machart – als bester film aller zeiten. der schinken ist von 1954, schwarz-weiß selbstredend, und ein unglaublicher meilenstein. er ist der erste jemals gedrehte film, in dem eine gruppe von menschen auf eine mission geschickt werden muss, weil andere menschen in not sind. der film war der grund, warum george lucas star wars erfand, obwohl in den fertigen (alten) filmen wesentlich weniger einflüsse noch drin sind als in den „first drafts“. die marines aus alien 2, jedes gottverfickte söldnerplatoon aus irgendeinem 80er-asi-actioner, diverseste western, gehen auf diese idee zurück. es ist ein tief gehender, langer, sehr menschlicher, wie ich finde, sehr großer und erhabener film.

nur bei kampmann – spoilerfrei!

irgendwann im feudalen japan, so 16. jahrhundert: ein dorf wird seit jahren von banditen überfallen. die dorfbewohner, alles bauern die ihre eigenen lebensgrundlagen direkt vor ort anbauen müssen, geraten dadurch in chronische existenzangst. nächstes mal könnte nicht mehr genug ernte übrig bleiben um selbst zu überleben, wenn nicht gar menschen sterben werden. die bauern sind größtenteils lethargisch, doch einer kommt auf die idee, ronin, arbeitslose samurai, zur verteidigung anzuheuern.

das gestaltet sich schwieriger als angenommen, da die bauern keinerlei mittel haben, und lediglich verpflegung als sold anbieten können – einer nach dem anderen werden sie von arroganten samurai, die sich von dem mageren angebot in ihrem kastenstolz verletzt fühlen, weggeschickt. letzten endes nimmt kambei, ein alter, weiser samurai – eine mischung aus gandalf und general chang aus star trek 6 – das angebot an, als er dafür von stadtbewohnern ausgelacht wurde, denen das leid der bauern quer am arsch vorbeigeht. kambei ist müde vom kampf und hat eigentlich keine lust mehr, bekommt aber sofort mitleid. in seinem denken gibt es kein standesdünkel, weshalb er als mitglied einer hochrangigen kriegerklasse sich nicht mit hungernden arbeitern abgeben könnte. kambei stellt den plan auf, dass mindestens 6 weitere samurai nötig sein würden, um das dorf gegen eine 40-köpfige gang zu verteidigen. ihm zur seite gesellt sich katsushiro, ein junger, idealistischer typ, der den bescheidenen und unfassbar geskillten kambei bewundert. katsushiros geschichte wird eine coming-of-age story aus seiner naivität hinaus. ihnen schließen sich noch gorobei, heihachi und shichiroji an, und den schweigsamen schwertkampf-badass kyuzo, der einen herausforderer versucht davon abzubringen, gegen ihn zu kämpfen, und ihn letzten endes bedauernd aus notwehr töten muss. es sind erwachsene, professionelle leute, jedi-vorbilder, vom witze drückenden kumpeltyp bis zum deadpan snarker. die samurai sind eigentlich schon entschlossen, zu sechst ihre mission anzunehmen, als nr. 7 eintrifft – der aufgeblasene kikuchiyo torkelt sturzbesoffen auf die restlichen samurai zu, und will sich mit ihnen prügeln. obwohl sie ihn für seine gefakete ahnentafel, mit der er sich als samurai ausweisen will, auslachen, und sich ansonsten auch prächtig über sein vollrauschgepöbel amüsieren, folgt er ihnen. kikuchiyo ist ein gerne rumpöbelnder vollasi, hat aber auch wesentlich unsympathischere seiten. er kommt aus dem gleichen bäurischen milieu wie die dorfbewohner, strebt aber nach einem höheren platz im feudalen kastensystem so sehr, dass er sich den bauern gegenüber wie ein absolutes arschloch verhält, um die tatsache zu maskieren, dass er selbst einer ist. nachdem kikuchiyo die waffen von getöteten samurai bei den bauern findet, will er den rest seiner truppe dazu aufwiegeln, ein massaker an dem dorf anzurichten.

gleichzeitig wird keine der fraktionen überzeichnet. die bauern entsprechen teilweise wirklich dem klischee, in das sie gesteckt werden. sie haben gegenüber der autoritären feudalherrschaft so weit aufgegeben, das sie ihr hundeleben als schicksal akzeptieren, und sich anfangs fast unerträglich unterwürfig und ängstlich verhalten. die (ehr)furcht vor den samurai, die sie eigentlich beschützen wollen, ist so groß, dass bereits weit vor deren eintreffen die angst im dorf die runde macht, die samurai würden sich mit ihrem lohn nicht zufrieden geben und die töchter der bauern vergewaltigen. letzten endes kapitulieren sogar die samurai beim versuch, einen gefangenen banditen vor der lynchjustiz der bauern zu beschützen.

allen ist von vornherein klar, dass nach der schlacht jeder seine wege gehen wird. die samurai sind eine aussterbende kultur, und die bauern könnten jeden augenblick infolge einer schlechten ernte verhungern. beide sind verlierer eines ausgeprägten klassensystems. gleichzeitig wird hart impliziert, dass die banditen ebenso verlierer dieses systems sind, da sie sonst kaum darauf angewiesen wären, dörfer zu überfallen um zu überleben. gerade durch den kleinen maßstab der schlacht, und die überschaubare zahl an akteuren auf allen seiten, werden die charaktere und ihre motivation sehr in den vordergrund gerückt.

das dorf ist befestigt, die bauern sind bewaffnet, und, so gut es geht, zu milizen ausgebildet. ein tagelanger und verlustreicher kampf geht los – und die banditen haben knarren …

ach ja – ziemlich episch und absolut unterhaltsam.

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. Manni H. permalink
    April 15, 2011 10:10 am

    Mit unglaublichem Scharfsinn habe ich das Zitat erkannt. Es stammt aus dem Film „Die sieben Samurai“!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: