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and they won’t be the best, they’ll be the posers who dress like the plastic idiots who they copy

November 21, 2010

mein musikhintergrund war mal beschränkter. aber wie ich meinen letzten sixer runterwürge, habe ich die neue bad religion-scheibe verpennt. wenn ich mal selbstgerecht bin, halte ich den heutigen und morgigen kater für disziplinarstrafe genug. irgendwann hielt ich die california melodycore-epigonen mal für den höhepunkt des punk, als ich noch die freiheitlich-demokratische grundordnung abgefeiert hätte. andererseits sind sie eine punkband, die schön ist. schön. so unvereinbar das mit grantigem crustcore, übelst systemfeindlichem plattitüdendeutschpunk, soundtracks zum komasaufen und dergleichen das ist, und sie sind eine erinnerung daran, dass bildung, wissen und ein blick über den tellerrand mehr wert sind, als so manch radikalere gruppen es bewerten. soeben findet sich das neue album – THE DISSENT OF MAN – auf meiner platte ein. epischer titel, hoffentlich gut (bonuspunkte an alle, die verstehen auf was es ein wortspiel ist). in wenigen sekunden wird mein review beginnen. seid mir mal ja nich zu mittig im sinne eurer karriere, greg, brett und der rest.

der introknaller „the day the earth stalled“ reißt mich ehrlich gesagt noch nich allzu sehr vom hocker, wenngleich seine energie nen bandimmanent typisches intro ist. klingt bislang hart nach der process of belief, rein instrumental, was nun wirklich nich schlecht ist, aber noch is die hoffnung ungebrochen, dass wir irgendwann wieder eine zweite suffer, eine zweite against the grain bekommen.

danke für den killer, „the resist stance“ ballert ma übelst. gregs stimme – der mann singt seit 30 jahren – ist wieder in sachen purer ästhetik wieder auf früh90erzeiten angekommen. wahnsinn. because passion unabated can be readily conflated with belligerence? word. es würde radikalen mitleuten helfen, ein pan-biotic view zu embracen.

„won’t somebody“ suckt. hätt ich früher vielleicht nich gesagt, aber für mich isses jetz wirklich bubblegum-„punk“. „the devil in stitches“ irgendwie auch. reim dich, oder es gibt aufs maul. lyrictechnisch is bis jetz ehrlich nich so viel gefallen.

wobei „pride and the pallor“ da wieder anzieht. vielleicht fehlt mir der großpolitische ansatz. klar, bad religion waren immer, überspitzt formuliert, maximal linksliberale demokraten-punks, reformisten statt revolutionäre (wobei schlaue reformisten mehr abgeben als abgestumpfte, dogmatische revoluzzer), aber wo bleiben ausfälle über das ende der menschheit, über ihre ewigen tiefschläge? es heißt the dissent of man, verdammte scheiße! „wrong way kids“ kann auch meinen sack eher bedächtig lutschen.

„meeting of the minds“ scheppert dann wieder aufs beste. wütend – so widersprüchlich das immer mit greg graffins ästhetenstimme clasht – und schlau. vor allem ballert es dir musikalisch die flusen aus den tennissocken.

„someone to believe“ spricht wieder die alte „the answer“-thematik der suche nach einer nicht ganz so vergänglichen wahrheit an, aber nich so schön zu hören. fuck, ich fühl mich grade überkritisch, dass ich nicht direkt fünf sterne instaraushauen kann, aber ich kann es einfach nich. „avalon“ knallert wieder einigermaßen. sucht euch euer avallóne in eurer berztigen m00ter. „cyanide“ geht auch eher in richtung „boot stamping on a human face forever“-stilbruch. tut mir leid wenn ich bad religion an bad religion messe. wer wirklich mal musikalische weiterentwicklung braucht, um ne band geil zu finden, obwohl ihr standard epic ist, hat vermutlich in seinem ganzen leben auch nur eine ac/dc- oder motörhead-platte gehört. „ad hominem“ is wieder ganz gut. „where the fun is“ ist äußerst eingängig, aber auch nich mehr.

die lyrics werden standardisiert, es ist nicht mehr dieses unglaubliche bedürfnis, wichtiges zu sagen, rauszuhören. es tut mir echt leid, es ist traurig. es ist eigentlich eine der wichtigsten bands meiner jugend gewesen. natürlich mag sich das review ändern, wenn ich das album mehrere male weiter runtergehört hab. die hohe messlatte, an der ich bad religion messe, haben sie sich selbst aber bewundernswerterweise gesetzt. „i won’t say anything“? lieber beherzigen, als nen derartigen track noch dransetzen. wobei das vielleicht zu gemein ist. je nachdem, wie oft ich es noch durchhören werde.

selbst alben, die thematisch nicht mehr die zeitlosigkeit großer menschlicher probleme behandelten, sondern eher kurzfristig angelegt waren, wie die the empire strikes first, haben da mehr zu sagen. scheiße, leute, es tut mir echt leid. ich hoffe, dass es mir mit mehr hören mehr ans herz wächst. sicher kann ich nicht behaupten, dass es ein schlechtes album ist. man halte mal so was an die ganzen punk in name only-skate-pissnelken oder popsülzereien. aber es ist diesen viel zu gefährlich nahe für den immensen standard, den sich bad religion 1988 selbst gesetzt hat.

ich werd ma jetz die alten sachen hören. und es wird supergeil 🙂

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